Erschöpft setzten wir uns vor die Flimmerkiste. Wir wissen genau, was uns bevorsteht: Der besoffene Elch lallt melodisch über den Bildschirm und der Hot Button schlägt gleich zu. Da müssen wir noch schnell anrufen!! Bei Richter Alexander Holdt sitzt mal wieder eine eifersüchtige Freundin auf der Anklagebank, die ihrem Freund „ausversehen“ kochend heißes Wasser über sein „bestes“ Stück gekippt hat. Weil er sie mit ihrer Freundin betrog. Paartherapie und Konfliktbeseitigung in einem, und mit Schauspielern, Entschuldigung, Statisten, deren einzige Fähigkeit es ist, lauthals Fäkalausdrücke durch den Gerichtssaal zu brüllen. Das ist Entertainment pur. Denn wer schaut sich nicht gerne alle Gerichtshows, wie sie mittlerweile heißen, an? Kennen Sie jemanden? Wirklich? Wir nicht.
Aber das absolute Muss im täglichen Nachmittagsprogramm sind die allseitsbeliebten „Love Checks“. Alle beste Freundinnen dieser Welt, ihr könnt einpacken! Denn dieses hochwissenschaftliche Programm kann allein an den Vornamen herausfinden und in Prozent angeben, wie sehr man füreinander bestimmt ist. Das gibt`s auch noch im Monatssparpaket. Wahnsinn! Worauf kann unsere Generation auf keinen Fall verzichten? Das ist doch wirklich nicht zu schwer! Klingeltöne! Alles was das Handyherz begehrt! Oder kennen sie wieder einen Jugendlichen, der sich dem entziehen kann? Wie kann ein Teenager denn so in dieser Gesellschaft bestehen? Das ist unmöglich! Denn die Jugend von heute lebt doch mit solchen Statussymbolen. Uns geht es nur um Geld und Oberflächlichkeit. Kreativ können die anderen sein, nur nicht wir. Sie sehen doch, wie fantasievoll und individualistisch diese Klingeltöne, Quizshows und Gerichtsshows sind, und diese sind von Erwachsenen gemacht. Das ist primitiv und dumm, mehr kann man dazu nicht sagen. Denn wir kennen ehrlich gesagt keinen, der sich das regelmäßig antut.
Über unsere Generation wird oft hergezogen, wir wären zu Spaß fixiert und dass es für uns nichts Schlimmeres gäbe, als unsere Gehirnwindungen in Bewegung zu setzen. Es ist ja nicht so, als würde dem Medium Fernsehen alles daran liegen, dies zu ändern. Haben sie schon mal die wirklich schweren Aufgaben, bei den sogenannten Quizshows angeschaut? Also wir glauben, die haben diese aus Grundschulbüchern einfach abkopiert oder von der Rätselseite einer Kinderzeitschrift für 9-Jährige. Genauso benehmen sich auch die „Quizmasters“ wie neunjährige hyperaktive Kinder, die ein bisschen zu lang am Tipp-Ex geschnüffelt haben. Wir fragen uns sowieso, wie ein Mensch so einen „Beruf“ wählen konnte, denn stundenlang immer darauf zu warten, dass der Hot Button zuschlägt?
Wir müssen zugeben, bis hierhin haben wir ein Klischee bestätigt, nämlich dass das wir nicht selber zur Tat schreiten, sondern nur meckern und maulen können. Aber Klischees sind was für Leute, die alles in eine Schublade stecken wollen, um somit schneller über andere zu urteilen. Damit wir nicht als Stereotyp eines „typischen“ Jugendlichen abgestempelt werden, zerreißen wir jetzt das Vorurteil, wie der besoffene Elch unsere Nerven.
1. Frage: Wie kann man es besser machen? Als ersten Schritt, würden wir empfehlen, die Handy“verschönerungs“werbung so weit wie möglich zu verringern oder am besten ganz auf Jamba TV abzuschieben. Nächster Schritt: Alle Statisten bekommen die Chance, ihren Hauptschulabschluss nachzumachen, damit sie wenigstens eine geringfügige Chance haben, einen sinnvollen und längerfristigen Job zu bekommen, um nicht noch weiter im TV-Sumpf abzurutschen und dann an Minderwertigkeitskomplexen zu zerbrechen. Die Quizshows/channels werden ganz abgesetzt, denn davon gibt es schon ausreichend glaubwürdige wie „Wer wird Millionär“, deren Fragen einfach nicht so unterbemittelt sind.
2. Frage: Was wollen wir sehen? Innovatives, unterhaltendes, glaubwürdiges, vielfältiges, alles in einem, intelligentes Fernsehen. Menschen, die Persönlichkeit und ein gewisses Maß an Bildung haben. Sendungen/ Serien, die nicht von der ersten Sekunde durchschaubar sind und deren Themen wirklich wichtiger und interessanter sind als die der Gerichtshows. Eigentlich ist es doch nicht so schwer! Oder?
Liebe Fernsehmacher, ich hoffe wir konnten Ihnen einen Anstoß geben, um der immer größer werdenden Verblödung des Nachmittagsfernsehens, ein Ende zu setzen. Dankeschön!



Bei unseren Recherchen für diesen Artikel haben wir uns einem Selbstversuch unterzogen. Wie lange hält man es aus, sich ununterbrochen diesem Programm auszusetzen? Wir mussten leider schon nach wenigen Minuten abbrechen, denn die Ungewissheit über die Nebenwirkungen und die Folgeschäden war einfach zu groß und riskant. Wir leben zwar fürs Schreiben, aber dabei ums Leben kommen? Dafür sind wir einfach noch zu jung.